Princip. Dieses Grab ist mir zu klein

von Biljana Srbljanovic

9., 11., 12., 13., 15., 16., 17., 25., 26. April 2014, Tanz- und Theaterzentrum Graz

Zum Stück:

Vor hundert Jahren wurde der Thronfolger der österreichisch-ungarischen Monarchie, Franz Ferdinand von Gavrilo Princip, einem bosnischen Serben, bei der Lateinerbrücke in Sarajevo erschossen.

Franz Ferdinand hatte am St.Veits-Tag, einem serbischen Feiertag, Manöver der österreichisch-bosnischen Truppen besichtigt.

Serbien wurde nach dem Mord ein Ultimatum gestellt, möglichst rasch und lückenlos an der Aufklärung mitzuarbeiten.

Das in manchen Punkten unerfüllbare Ultimatum war die Legtimation des ein Monat später folgenden Angriffs auf Serbien - der 1. Weltkrieg war ausgebrochen.

Für die einen ist Gavrilo Princip ein Nationalheld, für andere die Ursache des Kriegs-Ausbruches. Beides ist er nicht.

Das Stück von Biljana Srbljanovic zeichnet das Leben dieser vier jungen Menschen, die für ein nachvollziehbares Ideal - die Unabhängigkeit Serbiens - eintreten und bereit sind, dafür auch ihr Leben zu lassen.

Die Hintermänner dieses und anderer Terror-Akte sind in der nationalistischen Gruppierung „Die schwarze Hand“ zu finden, ein Zusammenschluss von radikalen Offizieren, die für ein Großserbien kämpften. Die jungen Menschen waren Handlanger und Werkzeug dieser Vereinigung.

„Princip. Dieses Grab ist mir zu klein“ ist nach der Intention von Srbljanovic ein Stück zu den Themen Nationalismus und Ethik des Terrorismus. Der Schwerpunkt liegt nicht auf den historischen Umständen der damaligen Zeit sondern auf der Wiederholbarkeit solcher Vorgänge zu jeder Zeit.

Es gibt kaum ein Gebiet in Europa, wo sich die umliegenden Staaten derart oft, intensiv und sehr oft auch unqualifiziert in die inneren Angelegeheiten eingemischt haben und einmischen. Die Beitrittsverhandlungen zur EU sind ein weiterer Prüfstein für die europäischen Staaten, ob nun ein verständnisvolles und tolerantes Miteinander möglich sein wird oder nicht.

Dabei muß man sich aber vor Augen halten, daß ein EU-Beitritt Serbiens nur möglich ist, wenn es der NATO beitritt. Jener NATO, die dieses Land ohne Billigung der UNO 80 Tage lang bombardiert und dabei 2500 Zivilisten getötet hat - ein völkerrechtliches und menschliches Debakel ohne Vergleich.

Schafft es die europäische Gemeinschaft diesmal wieder nicht, erfüllbare Bedingungen zu stellen, wird der Nationalismus in Serbien wieder die Oberhand gewinnen und Morde wie an Franz Ferdinand, Zoran Đinđić usw. werden wieder in „greifbare Nähe“ rücken.

Mitwirkende:

Jula Zangger
Leopold Geßele
Matthias Kreinz
Alexander Mitterer
Josef Mohamed

Regie:
Christian M. Müller

Kritiken:

  • Kleine Zeitung
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